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Die jüngste Abbauwelle von Arbeitsplätzen in der Schweiz PDF Drucken
Samstag, 18. Oktober 2008
Gleich drei Unternehmen haben in jüngster Zeit mit massiven Kündigungswellen und Lohnkürzungen Negativschlagzeilen gemacht.

In der Zellulosefabrik Booregaard / Atisholz in Luterbach SO wird 440 Beschäftigten gekündigt. Begründungen für die Aufgabe des Standorts sind die hohen Rohstoffpreise sowie der Preiszerfall von Textilzellstoff und mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt. In diesem Unternehmen wurden jüngst noch 15% des schweizerischen Holzschlags verarbeitet und im Juni mussten die Arbeiter wegen der „guten“ Geschäftslage noch Überstunden machen.

Von Aussen betrachtet unterliefen der Führung einige Fehler. Man liess 2006 das Projekt eines Holzverarbeitungszentrums (HVZ) in Luterbach scheitern, Borregaard brauche selbst Platz zum expandieren, obwohl 2002 noch von einem grossen Vorteil  für die Zellstofffabrik bei Realisierung des Projekts an diesem Standort gesprochen wurde. Seit einiger Zeit hat das Unternehmen ausserdem Schwierigkeiten die  Umweltauflagen einzuhalten. Im letzten März musste der Kanton noch mit Entzug der Betriebsbewilligung drohen um die notwendigen Sanierungen einzuleiten. Der Strategiewechsel auf chemische Zellstoffe konnte wegen fehlenden Geldmitteln nicht realisiert werden.

Die Betriebsleitung wollte nicht einmal eine Petition zur Offenlegung von Daten die relevant für alternative Projekte wäre annehmen, welche 2500 Unterschriften von Mitarbeitern und solidarischer Bevölkerung aus der Region erzielte. Diese Haltung zeigt, dass die Chancen zur Arbeitsplatzerhaltung ziemlich gering sind. Darum fordern die Beteiligten Gewerkschaften Unia, SPV und Syna ausserdem Verhandlungen, um einen Sozialplan für die Belegschaft auszuarbeiten. Am 18. Oktober findet in Luterbach am Gemeindeplatz eine Solidaritätskundgebung für die 440-köpfige Belegschaft statt. In den nächsten Tagen wird die Unia Klage gegen das Unternehmen einreichen, da sie die unabdingbare Verlängerung der Konsultationszeit ablehnte.

Auch in Uzwil bei der Benniger Textil AG gab der Abbau von 110 Arbeitsplätzen zu reden. 60 davon werden nach Deutschland ausgelagert. Die Verantwortlichen des Unternehmens untergraben mit dieser Entscheidung den Gesamtarbeitsvertrag massiv. Ein Sozialplan stand nicht einmal für langjährige Mitarbeiter zur Sprache. Die vorgeschriebenen Pflichten bei einer Massenentlassung wären: Vorinformationspflicht der Leitung und das Mitwirkungsrecht von Arbeitern und gewerkschaftlichen Vertretern. Die Gewerkschaftsvertreter können laut Gesetz innerhalb von 14 Tagen über Alternativen verhandeln. Die Unia forderte das Unternehmen zu Gesprächen auf damit die Mitarbeiter nicht auf der Strasse stehen müssen.

Siemens Building Technologies will bei 20 ArbeiterInnen Lohnkürzungen von einschneidenden 20% durchführen. Somit würde ein Produktionsmitarbeiter, der vorher auch nicht gut bezahlt wurde, statt 4500.- nur noch 3700.- verdienen. Das Management will alle Löhne im Schnitt um 1000.- pro Monat kappen. Obwohl jetzt schon etliche Personen temporär beschäftigt sind, sollen 7 Stellen abgebaut werden. Meist sind länger beschäftigte Mitarbeiter um die 50 betroffen, teilweise wurden sie unter Druck gesetzt um selbst zu künden. An einer ersten Betriebsversammlung mit 30 Personen wurde beschlossen, die Geschäftsleitung aufzufordern die Massnahmen zurückzuziehen und mit der Unia Gespräche über die Situation zu führen. Trotz allem geht es der Siemens Schweiz AG gut: Der Umsatz stieg von 1.29 Mrd. Franken auf 1.39 Mrd. und der Auftragseingang von 1.25 Mrd. auf 1.42 Mrd. Franken.

Diese drei Beispiele zeigen wie rau der Wind der kapitalistischen Wirtschaft wirklich weht. Bossen ist das Schicksal der einzelnen ArbeiterInnen egal – die Zahlen müssen stimmen, dann stimmt alles. Das sind keine Einzelbeispiele sondern alltägliches Geschäftsgebaren in der internationalen Marktwirtschaft. Diese Entwicklung führt nur zum Wohl der kleinen Schicht der Bourgeoise aber nie zum Wohl von allen.

Doch diese Beispiele sind nur Anfänge eines Flächenfeuers. In Zukunft werden die Unternehmer vermehrt Angriffe auf die ArbeiterInnen machen. Dies aufgrund der drohenden Rezession. Nur durch massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, also durch Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerung, etc. bis hin zu Entlassungen, lassen sich in einer solchen Zeit, wie sie uns bevorsteht, noch Profite machen. Die Gewerkschaften müssen sich dieser Bedrohung bewusst sein und dürfen vor Arbeitskämpfen nicht zurückschrecken. Am Beispiel der SBB-Werkstätten in Bellinzona sieht man, wie wichtig situationsgerechtes, schnelles und kämpferisches Handeln ist und das dies zum Erfolg führt. Nur durch die Organisation der Arbeiterklasse können Siege erkämpft werden und letztendlich dieses ausbeuterische System auf dem Müllberg der Geschichte landet.

Darum fordern wir:

  • Betriebsversammlungen mit Urabstimmung in allen wichtigen Fragen zum Unternehmen
  • ArbeiterInnenkontrolle auf Basis eines jederzeit wähl- und abwählbaren Betriebskomitees
  • Solidarisiert euch – lasst die Betroffenen nicht alleine!
  • Wir stärken unseren Verhandlern von der UNIA den Rücken indem wir mit dabei sind. Keine Geheimverhandlungen, das nützt nur den Unternehmern!


Moritz Fischer
 
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