|
So viele Menschen wie seit langem nicht mehr nutzten den internationalen Kampftag der ArbeiterInnenbewegung um den anwachsenden Groll gegen die Kapitalistenklasse auf die Strasse zu tragen. Angesichts der sich vertiefenden Wirtschaftskrise lautete das Motto der Lohnabhängigen in der ganzen Welt klar: Eure Krise zahlen wir nicht! Wurden in den letzten Jahren stetig weniger Teilnehmende an den verschiedenen Mobilisierungen gezählt, sind beim ersten Maifest, seit sich die Weltwirtschaft in einen allgemeinen Abwärtsstrudel befindet, erstaunlich viele Arbeitnehmende, darunter eine grosse Anzahl Jugendliche, aufmarschiert. Viele von Ihnen zum ersten Mal, wie man aus verschiedenen Gesprächen entnehmen konnte. Die Wut der Masse der Lohnabhängigen auf die Besitzenden und deren Angriffe bringt offensichtlich Bewegung in den als tot geredeten Konflikt zwischen den Klassen. Als Kampftag der Ausgebeuteten und Unterdrückten in der Krise schafft es der 1. Mai 2009 den Staub der vergangenen Jahre abzuschütteln. Ein hervorragendes Beispiel dieser neuerlangten Zuversicht der jungen AktivistInnen der Arbeiterbewegung war die Mobilisierung der Jugendlichen in Winterthur. Der massgeblich von Funke UnterstützerInnen geplante und organisierte gemeinsame Auftritt der JungsozialistInnen (Juso) und der Unia Jugend von Winterthur war ein voller Erfolg. Der Block der SchülerInnen- und ArbeiterInnenjugend umfasste gegen 100 Personen, welche durch lautstarke Lieder und Parolen und seine bunte Erscheinung den Demonstrationsumzug durch die Winterthurer Altstadt dominierte. Mit selbstgebastelten Transparenten und Fahnen konnte der „rote Block“ zur Freude der Mehrheit der DemoteilnehmerInnen das eher destruktive und abgrenzende Auftreten des schwarzen Blockes der Linksradikalen, welcher weniger Leute anlockte als in vergangenen Jahren, ins Leere laufen lassen. Inhaltlich waren die Jugendlichen nicht nur mit den kämpferischen Sprüchen, die sie skandierten und die auf den Tranparenten zu sehen waren, präsent. Die starke Rede des Juso Präsidenten und Funke Unterstützers Joachim Lichtenhahn erntete den meisten Applaus. Neben den Ansprachen von Winterthurs SP Präsident Christian Ulrich und der grünen Kantonsrätin Litlith C. Hübscher, welche sowohl inhaltlich als auch rethorisch etwas mager ausfielen, konnte Corrado Pardini, Mitglied der Unia Geschäftsleitung, mit seiner etwas langen aber radikalen Rede das Publikum durchaus begeistern. Im Gegensatz zur grünen Kollegin, welche den reformistischen Green New Deal als Lösung für die Krise anpries, plädierte Corrado klar dafür, die Dinge, sprich den Kapitalismus wieder beim Namen zu nennen und eine Diskussion über ernsthafte Alternativen aufzunehmen. Dass nur darüber zu sprechen noch keine ernsthafte Alternative darstellt, machte Genosse Lichtenhahn in seinem Redebeitrag klar und sprach vom Krampfzustand, in dem sich die traditionellen Massenorganisationen der Arbeiterbewegung derzeit befinden. Seine Kritik richtete er vor allem an die Mutterpartei SPS, welche endlich zu einem klaren sozialistischen Programm zurückfinden müsse und welches sich konsequent an den Interessen der Lohnabhängigen orientieren solle, anstatt sich weiterhin mit dem sozialliberalen Gesäusel beim Bürgertum anzubiedern. Eine sozialistische Gesellschaft, in der die Bedürfnisse und die Fähigkeiten der Menschen und nicht der Profit im Zentrum stünden, sei möglich und dringend notwendig. Die Systemkrise des Kapitalismus, der immer weniger Menschen eine lebenswerte Perspektive anzubieten habe, mache deutlich, dass nur eine demokratisch geplante Wirtschaft und Gesellschaft der Mehrheit der Menschen einen Ausweg aus der Misere biete. Auch nach dem traditionellen Umzug zur Reithalle, beim anschliessenden Fest waren die Jugendlichen überaus aktiv. Mit Informationsständen von Juso, Unia und Funke, die als zentrale Anlaufstellen für systemkritische Diskussionen dienten, und dem Verteilen und Verkauf von Material brachten sie ihre Ideen unter das Publikum. Natürlich kam dabei der gesellschaftliche Aspekt nicht zu kurz und führte im Laufe des Abends zu feuchtfröhlichen Lieder- und Tanzeinlagen. Neben der neuen Ausgabe des Schreihalses, der Winterthurer Juso-Zeitung, wurde auch die 1. Maiausgabe des Funkes überaus erfolgreich verkauft. Die Bilanz des Tages von knapp 100 verkauften Exemplaren war für unsere Strömung ein Erfolg, der über unseren Erwartungen lag. Wiedereinmal konnten wir beweisen, dass der Nährboden für revolutionäre Ideen und der Enthusiasmus dafür zu kämpfen bei den Jugendlichen und den ArbeiterInnen bereits vorhanden ist und mit den fortschreitenden Ereignissen zunimmt. Wir sind nun gefordert, die Diskussionen in den Massenorganisationen weiterzuführen und durch erfolgreich geführte Kämpfe aufzuzeigen, dass eine andere Welt möglich ist. Dazu rufen wir Alle auf sich zu organisieren und bei uns aktiv mitzumachen. So können wir mit Zuversicht in die Zukunft schauen und hoffen, dass sich das Beispiel von Winterthur auf weitere Orte ausbreitet. Hier und International. Ich schliesse mit den Worten des deutschen Revolutionärs Karl Liebknecht: „Die Jugend ist die Flamme der Revolution!“ i.A. Der Redaktion Daniel Flückiger |