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Frauen leisten den Löwenanteil der Haushaltsarbeit, übernehmen grosse Teile der Erziehung der Kinder und der Betreuung anderer Familienangehöriger, erhalten weniger Lohn für gleiche Arbeit, werden seltener befördert, leisten den Grossteil der, oft sehr schlecht bezahlten, Teilzeitarbeit, arbeiten unter unsichereren Bedingungen, erhalten tiefere Renten, arbeiten oft mehr (bezahlte Arbeit und Hausarbeit), werden öfter am Arbeitsplatz gemobbt, erleben weitaus häufiger sexuelle Belästigungen, sind in der Politik stark untervertreten, usw... Gegen all dies wird seit knapp hundert Jahren am internationalen Frauentag gekämpft. Frauendemo: Frauen gemeinsam stark! 6. März 13:30 Hechtplatz Zürich Frauendemo: Her mit dem schönen Leben! 13. März 13:30 Schützenmatte Bern
Global gesehen ist die Diskriminierung der Frau leider unglaublich offensichtlich. 70% des ärmsten Drittels der Weltbevölkerung sind Frauen. Obwohl Frauen, rechnet man die Haushaltsarbeit mit ein, etwa 2/3 der weltweiten Arbeit leisten, erhalten sie nur 10% des weltweiten Einkommens und besitzen weniger als 1% des globalen Eigentums. Wie sieht es aber in der Schweiz aus, wo die Gleichstellung auf Ebene der Verfassung und des Gesetzes nach einem langen Kampf vorgeschrieben worden ist? Klar ist, dass weiterhin eine massive Ungleichheit besteht. Die Erziehungs- und die Haushaltsarbeit muss nach wie vor weitgehend von den Frauen geleistet werden. So leisteten die Frauen im Jahr 2007 im Durchschnitt 33.9 Stunden Haus- und Familienarbeit während es bei den Männern 19.1 Stunden waren. Bei 40% der Bevölkerungsschicht mit den tiefsten Einkommen ist dieses Verhältnis etwa 2:1. (BFS 2007). Damit Verbunden haben nur 43.1% der erwerbstätigen Frauen eine Vollzeitstelle, gegenüber 87.4% der Männer. Zudem erhalten Frauen wesentlich weniger hohe Löhne als Männer (siehe Kasten). Soviel zur wirtschaftlichen Diskriminierung der Frauen.
Neben der ökonomischen Benachteiligung erleben Frauen auch Diskriminierung in anderen Formen. Frauen werden stärker und öfter als Männer zu Fleiss, Unterwürfigkeit und Bescheidenheit erzogen. Frauen sind viel eher Opfer sexueller Ausbeutung und sexueller Übergriffe (in Wort und Tat). In der Schweiz werden laut Studien zwei von fünf Frauen in ihrem Erwachsenenleben mindestens ein Mal Opfer von körperlicher, sexueller oder von psychischer Gewalt. Frauen werden unter dem Vorwand von „biologischer Veranlagungen“ zu häuslicher Arbeit gezwungen und es wird ihnen die Verantwortung für den Nachwuchs weitgehend zugeschrieben. Pflegearbeit und andere „soziale“ Berufe werden weitgehend den Frauen überlassen, da sie für diese besser geeignet seien. Rollenbilder und Stereotypien spielen in all unseren Köpfen eine Rolle und werden aktiv durch die Gesellschaft, beispielsweise durch die Medien, durch die Schulen etc. gefördert.
Wer ist Schuld?
Der Schluss, dass an der Benachteiligung der Frauen die Männer Schuld sind liegt nahe. Und es stimmt teilweise. Nur wer dies behauptet, vergisst unter welchen Bedingungen wir alle Leben. Wer meint die ungleiche Stellung von Mann und Frau sei die zentrale Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft, vergisst, dass er oder sie nur das gleiche „Recht“ auf Ausbeutung für alle fordert. Nämlich die gleiche Ausbeutung durch den Kapitalismus. Genauso wenig wie alle Männer die gleichen Interessen haben, haben sie auch die Frauen nicht. Die Tatsache, dass Frauen oft stärker im Kapitalismus ausgebeutet werden als Männer bedeutet nicht, dass alle Männer davon profitieren. Wir leben in einem System in welchem eine kleine Minderheit der Besitzenden die Mehrheit ökonomisch ausbeutet. Diese Minderheit besteht sowohl aus Männern wie auch Frauen. Genauso wenig wie die / der Kapitalbesitzende und die / der Lohnabhängige gleiche Interessen haben, haben die Managerin und die Verkäuferin dieselben Interessen. Eine Verkäuferin und ein Verkäufer haben offensichtlich gemeinsame Interessen.
Frauenbefreiung
Natürlich ist die ökonomische und die soziale Diskriminierung der Frau keine Erfindung des Kapitalismus. Vielmehr ist es ein altes kulturelles Erbe, welches im Kapitalismus durch die Herrschenden benutzt und verstärkt wurde. Vergessen wir nicht, dass die meisten Unterschiede zwischen Mann und Frau künstlicher Natur, also weitgehend ideologisch, durch Erziehung und ökonomische Bedingungen sozial konstruiert sind. Sexismus, Rollenstereotypien und ökonomische Diskriminierung der Frauen erfüllen, wie zum Beispiel auch Rassismus und Nationalismus, den Zweck, die ArbeiterInnenbewegung zu spalten und in privilegiertere und weniger privilegierte Gruppen aufzuteilen, um einen gemeinsamen Kampf zu verhindern.
Trotz aller Fortschritte im letzten Jahrhundert sind die Lebensbedingungen für Frauen auch in der Schweiz noch immer schwieriger als für Männer. Eine wichtige Rolle spielt dabei die den Frauen zugeschriebene Haus- und Familienarbeit. Sie ist gesellschaftlich absolut notwendig und die grundlegendste Arbeit überhaupt, wird aber nicht entlohnt und erhält wenig Anerkennung. Diese Arbeit wird im Kapitalismus weitgehend individualisiert und somit zur privaten Gratisarbeit gemacht. Dieser Gegensatz zwischen der unbezahlten Hausarbeit und der Lohnarbeit erschweren die Überwindung der alten Rollenbilder stark. Für gut verdienende, gut ausgebildete Paare sind hier heute schon Möglichkeiten offen, für alle anderen sind die Bedingungen für gleiche Chancen für Mann und Frau nicht gegeben. Deshalb ist die Überwindung der Diskriminierung der Frau nicht alleinige Aufgabe der Frauen, sondern die Aufgabe aller Ausgebeuteten. Schaffen wir nicht das Recht gleichwertig ausgebeutet zu werden, sondern schaffen wir ein System welches auf der Freiheit aller beruht. Es gibt keine isolierte Frauenbefreiung sondern nur die Befreiung aller.
"Wir müssen Sorge tragen, dass der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der Besitzenden, und ihrer willfährigen Dienerschaft, der Regierung, ist“. Clara Zetkin, 1911
- gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!
- Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich!
- Löhne von denen wir leben können!
- Qualitativ hochwertige flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen!
- Ganztagsschulplätze für alle!
- Öffentliche Pflegeeinrichtungen statt privater Aufopferung!
- Vergesellschaftung der Hausarbeit, der Kindererziehung und der Pflege von alten und kranken Menschen!
Lohnungleichheit
Frauen verdienen in der Schweiz noch immer im Durchschnitt etwa 19.3% weniger als Männer (2009). Seit 2006 ist die Lohnschere sogar noch gewachsen. Damals waren es noch 18.9%. Die wichtigsten Gründe dafür sind, dass typische Frauenarbeiten grundsätzlich weniger geschätzt und tiefer entlöhnt werden als typische Männerarbeiten und dass Frauen wegen der zusätzlichen Familienarbeit häufiger Teilzeit arbeiten, was negative Auswirkungen unter anderem auf ihre Aufstiegsmöglichkeiten hat. Zudem lässt sich in vielen Branchen feststellen, dass die Löhne bei gleicher Qualifikation und gleicher Erfahrung bei Männern wesentlich höher als bei Frauen sind.
Kurz zur Geschichte des internationalen Frauenkampftags
Der Vorschlag für einen internationalen Frauentag wurde von der Sozialistin Clara Zetkin an der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 formuliert. 1911 wurde erstmals in Dänemark, Deutschland, der Schweiz und Österreich-Ungarn der Frauentag gefeiert. Das heutige Datum vom 8. März wurde durch die russische Februarrevolution 1917 geprägt, wo die Streiks der Sankt Petersburger Textilarbeiterinnen, Arbeiter- und Soldatenfrauen sowie der Bauernfrauen die Revolution in Gang setzten. Seither wurde der internationale Frauentag am 8. März genutzt um für politische Rechte und gegen soziale Probleme zu kämpfen.
Reaktionäre Ideen während der Krise – Frauen an den Herd und in die Kindserziehung
Im Kontext der Krise nehmen die Rückbesinnungen auf die „heile“ bürgerliche Familie wieder zu. Frau Bundesrätin Leuthard hat vor einiger Zeit zum Beispiel dazu aufgerufen mehr Kinder zu zeugen, da sich die Arbeitermarktsituation verschärfe. Bürgerliche Frauen wie z.B. Eva Herman, welche reaktionärste Rückbesinnung auf die Hausfrau propagiert, erhalten in den Medien viel Aufmerksamkeit. |